Eis am Stiel für Senioren

Regina Potzinger
Regina Potzinger
Dipl. Gesundheits- und Krankenschwester
Privatklinik Graz Ragnitz

Manchmal erweitert sich unfreiwillig unser Arbeitsplatz. Vor einiger Zeit hatte ich einen Patienten, der am 5. postoperativen Tag angezogen, mit zwei Krücken und seinem Koffer am Schwesternstützpunkt vorbeilief. Wie sahen uns alle an und dachten: Er will abhauen.

Ich folgte ihm bis hinauf zur stark befahrenen Kreuzung und konnte gerade noch als Verkehrspolizistin den Verkehr aufhalten. So überquerte er sicher die Straße und setzte sich aufs Bankerl bei der Busstation – ich nahm neben ihm Platz und versuchte ihm gut zuzureden.

Die kommenden Busse winkte ich weiter, zwischendurch verständigte ich unsere Stationsärztin, die mit einer Psychologin zehn Minuten später kam. Gefühlt waren es fünf Stunden für mich. Letztlich griffen wir zu zwei Tricks. Erstens holten wir ein Taxi unter dem Vorwand, ihn nach Hause zu bringen, und zweitens erinnerten wir uns daran, dass der Patient mit seinem Neffen immer Eis aß.

Wir versprachen ihm ein Eis und mischten Beruhigungsmittel darunter. So konnten wir ihn wieder sicher auf die Station bringen.